IT-Unternehmen auf dem Weg zu ihren Märkten.
Liebe Leser:
Die Berliner Werbe- und PR-Agentur Index veröffentlichte vor Kurzem ihre Studie zur Kommunikation von IT-Unternehmen. Die Kollegen befragten 160 Vorstände, Geschäftsführer, Marketing- und PR-Verantwortliche aus IT-Unternehmen in der DACH-Region, welche Trends sie für ihre Kommunikation sehen.
Mit 29% Kleinbetrieben (bis 50 Mitarbeiter/innen), 31% mittelständischen IT-Anbietern (bis 500 MA) und 17% Großunternehmen (ab 500 Beschäftigte) gibt die Umfrage vom November 2009 einen guten Gesamtüberblick zur PR-Arbeit in der IT-Industrie.
Mit 60% B-2-B-Anbietern fokkusiert die Studie auf den für die IT-Kommunikation interessanten, zugleich jedoch schwierigeren Bereich. Denn: Die Zahl der auf professionelle IT spezialisierten Kommunikationspartner (z. B. Fach- und Wirtschaftsjournalisten) ist bei einem Blick in den news aktuell MEDIAatlas eher begrenzt.
Zu den Ergebnissen: Knapp 3/4 der Beteiligten (74%) sehen heute Online-Kommunikation als die - für ihr Unternehmen - erfolgversprechenste "PR-Disziplin". 80% der Befragten erwarten in den kommenden Jahren eine noch größere Bedeutung der "PR im Web".
Bei den Online-Kanälen dominieren vor allem Foren (mit 40%), Social Communities (mit 34%), Twitter und andere Microblogs (mit 26%) sowie - erstaunlicherweise - Blogs mit 25%. Weitergehende Social Media Aktivitäten, wie Videos, mobile Angebote oder Social Media Releases sind noch in der "Entwicklungsphase".
Jetzt kommt der Haken: Noch immer nutzen 56% der IT-Unternehmen die "klassische Pressearbeit" in ihrer Kommunikation am Häufigsten! 76% setzen vor allem auf die gute alte Pressemitteilung, 71% auf Anwenderberichte und 68% auf Fachartikel.
Meine Meinung dazu:
IT-Unternehmen sind noch lange nicht im offen-vernetzten Web angekommen! Zu groß ist die Angst, die vermeindliche Kontrolle über die Kommunikation ihrer Kunden, Partner und der Medien zu verlieren. Eine Kommunikation, die sie nie steuern konnten, dies jedoch glaubten und glauben.
Noch immer hoffen IT-Unternehmer und -Manager, mit "Solutions", "Innovations" und "Leadership" Fachjournalisten hinter dem Ofen hervor zu locken. Noch immer setzen viele IT-Anbieter auf gekaufte Werbebeiträge in gedruckten Fachmedien, die zunehmend an Bedeutung verlieren. Denn die Leser sind längst online unterwegs.
Warum gibt es diesen "Gap" zwischen hoffnungsvollen Erwartungen (zur Online-Kommunikation) und dem Festhalten an den größten "PR-Hits der 70er, 80er und 90er"?. Die Antwort darauf habe ich auf dem "Twittwoch" - einem regelmäßigen Treffen der Twitterer in Berlin - gefunden.
Der Berliner Markenspezialist Klaas Kramer brachte es ganz einfach auf den Punkt:
Märkte - und damit wir alle, die über Firmen, Produkte und Leistungen reden - sind "heterarchisch" organisiert. Heißt: gleichberechtigt - nebeneinander - vernetzt. Und Firmen? Sie sind "hierachisch" aufgestellt, also über- und untergeordnet organisiert.
Und nun? Jetzt sind wir bei den Mitarbeitern. Bei mutigen Profis, die bloggen, twittern und sich vernetzen. Die interessante Neuigkeiten aus Ihrer Themenwelt berichten und sich an die "Policy" halten. Jetzt sind wir bei "One message - many voices".
Die Demokratisierung der Unternehmen hat gerade erst begonnen. Sie hat viel mit offener Vernetzung und mit dem kulturellen Wandel zu tun, der gerade erst begonnen hat. Ein Wandel, den gute Kommunikatoren seit mind. 10 Jahren einfordern - mit drei einfachen Worten: offen, ehrlich, fair.
Vielleicht sollten Index und andere Agenturen bei einer der nächsten Umfragen auf die kulturellen Aspekte eingehen. Wie können sich Unternehmer und Geschäftsführer öffnen? Wie können ihnen PR- und Marketing-Profis dabei helfen?
Und wie können wir gemeinsam "loslassen" und dabei eine Menge "gewinnen"?
Herzliche Grüße
Thomas Keup
P. S. Die Index-Studie kann hier online kostenfrei bestellt werden. Die PDF-Datei mit den Detailergebnissen kommt dann per E-Mail.
Labels: IT, IT-Industrie, Kommunikation, Kultur, PR, Studie, Umfrage


1 Comments:
Für mich greift dieser Beitrag etwas kurz. Ich weiß nicht, warum Anwenderberichte und Fachartikel oder Whitepaper ein "Haken" sein sollen. Entscheidend ist, wie man sie einsetzt: als Multiplikator beispielsweise auf Kompetenzportalen, als Angebot in SEM-Kampagnen und generell zur Leadgenerierung.
Zugegeben: Viele IT-Unternehmen sehen die Chancen und Möglichkeiten von Social Media noch nicht. Aber Social Media ist kein Ersatz für viele andere Kommunikationskanäle (naja OK, für manche vielleicht schon), eher eine effektive Ergänzung.
Auch das "Gespräch" in den Sozialen Netzwerken braucht relevanten Content, über den überhaupt diskutiert werden kann. Und den kann man gerade bei komplexen IT-Produkten nicht in 140 Zeichen liefern.
Aber als alter IT-Kommunikationshase bin ich auf die Ergebnisse der Studie schon gespannt.
By
Iwo, at 5. Februar 2010 09:55
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