Thomas Keup @ spricht-fuer-sie.de

29.12.08

2009: Alles Web oder was?

Liebe Leser:

Barack Obama gewann die Wahl zum US-Präsidenten in diesem Jahr Dank aktiver Unterstützung aus dem Netz. Die ersten Bilder von den Terror-Übergriffen in der indischen Metropole Bombay liefen im Internet - nicht bei der BBC oder auf CNN. Das Web bewies 2008, wohin die Reise in den kommenden Jahren geht.

Die CeBIT wird 2009 zur "Webciety" und stellt die vernetzte Gesellschaft in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten. Aus der SYSTEMS wird die "discuss & discover" mit einer Kombination aus Präsentationen, Kommunikation und Emotionen. Wird das neue Jahr zu einem einzigen Mega-Internet-Event?

Als einer der ersten Breitband-Nutzer in Berlin und PR-Spezialist mit Fokus auf Information, Kommunikation und Zusammenarbeit im Netz schaue ich für Sie zum Jahreswechsel einmal in die Glaskugel. Dabei unterstützt mich Prof. Dr. Lothar Rolke - einer der deutschen Kommunikations-Päpste. Er führte die Trendstudie

"Mediennutzungsverhalten in der Web-Gesellschaft 2018" durch.

Das Leitmotto in der Web-Gesellschaft lautet: "Here comes everybody". Wenn das Obama-Girl mit 35.000 Treffern bei YouTube gegen politische Debatten im US-Fernsehen siegt, wenn Handys schneller sind, als professionelle Kamera-Teams, wenn klassische Medien in den kommenden 10 Jahren 1/3 ihrer Nutzer verlieren - dann ist nicht mehr alles beim Alten.

Etablierte Machtstrukturen, traditionelle Geschäftsmodelle und gelernte Kommunikationsformen schmelzen dahin. Die 35-50-Jährigen haben im Eiltempo gelernt, mit den neuen Informations- und Kommunikations-Möglichkeiten zu arbeiten. Der Ausbau und der Siegeszug von Online-Angeboten wird schneller passieren, als viele Experten erwarten.

Fachleute rechnen, dass in den kommenden 10 Jahren rd. 80 Prozent aller weltweiten Informationen von Nutzern ins Web gestellt und bearbeitet werden. Wer allgemein verfügbare Informationen als sein Herrschaftswissen betrachtet, wird künftig einfach nicht mehr wahrgenommen. Das gilt auch für Technologien.

Und die Folgen? Etablierte Entscheider flüchten sich in Clubs hinter verschlossenen Türen, Medienhäuser bieten ihren Content kostenfrei im Netz und in Gratis-Zeitungen an. Alle Altersgruppen fühlen Sie durch das Web schon heute rundherum gut informiert. Zugleich ist die Internet-Generation mit klassischem Marketing kaum noch zu erreichen.

Daraus ergeben sich entscheidende Fragen für Ihr Geschäft:

  • Was ist für Sie als Unternehmer wichtig, über die Web-Gesellschaft zu wissen?
  • Wie können Sie in der Web-Gesellschaft Ihr Geschäft erfolgreich fortentwickeln?
  • Wer wird nach den zunehmenden Umbrüchen als strahlender Sieger hervorgehen?

Gut, dass Sie nicht mehr auf traditionelle Werbung setzen. Denn das Reklamieren von Vorzügen und das Umwerben von Kunden mittels Top-Down-Methoden gehören zu den größten Sünden der 70er, 80er und 90er. Die Folgen spüren zahlreiche Werbeagenturen, Medienhäuser und Messegesellschaften mittlerweile schmerzhaft.

Tatsache ist: Jeder kennt jeden im Internet über max. 6,6 Ecken.

In Zukunft werden jene Anbieter erfolgreich sein, die ihre Partner offen miteinander vernetzen und den Live-Charakter fördern, die künftige Trends fassbar machen und thematische Communities initiieren oder fördern - online wie offline. Produktinformationen und Kaufangebote gibt es direkt über das Web.

Heute nutzen 80% aller 35-50-Jährigen des Web, um sich Sicherheit zu Produkten und Leistungen zu verschaffen. Das Internet ist bei der Kaufentscheidung wichtiger als Freunde und Familie, als Fachzeitschriften und Publikumsmedien. Von Produktinformationen bis Preisvergleich - das Web führt zum Kauf.

Meine Grundsatzfrage dazu lautet: Wie offen und vernetzt sind Sie?

Im Mittelpunkt aller Aktivitäten - online wie offline - steht das Teilen von echtem Nutzen. Fachleute nennen dies "Benefit-Sharing". Ich schaffe für meine Partner heute geeignete Anlässe, biete für die Vernetzung passende Räume und stifte mit meinen Partnern Nutzen, ohne nach Umsatz und Erlös zu fragen.

Nur, wenn Sie sich öffnen und loslassen, werden Sie auch gewinnen!

Das Magazin Stern fand vor einem Jahr heraus, dass von 50 verglichenen Stichworten 47 in der freien Enzyklopädie Wikipedia hochwertiger erklärt wurden als im guten alten Brockhaus. Heißt: 40.000 ehrenamtliche Helfer bieten mit ihrem Schwarm-Wissen eine höhere Qualität als 40 angestellte Fachautoren.

Das Internet 2018: Information, Unterhaltung und Einkaufsführer.

Das World Wide Web gibt immer stärker den Rhythmus, das Raster und die Rezeptionsformen im Geschäftsleben vor. Große Unternehmen wissen dies und verlagern ihre Geschäftsmodelle ins Web - von "Welt Online" über "RTL Now" - von SAP bis zur IBM, die seit 2001 Schritt für Schritt zur Netzwerk-Gesellschaft avanciert.

Wie können Sie Ihr Geschäft im und rund um das Web entwickeln?

Ohne großspurig zu wirken, kann ich sagen, dass Public Relations - also das Management von Kommunikation - in der Web-Gesellschaft hilfreich ist. Schon heute gehört für PR-Fachleute das "Loslassen" täglich zum Arbeitsalltag dazu, denn die Gedanken und Entscheidungen von Journalisten sind und bleiben frei.

Heise Online hat vorgemacht, wohin die Reise weiter gehen wird.

Für die PR heißt es, das Web als Führungsmedium zu nutzen und nicht mehr den alten, z. T. angestaubten Fach- und Tagesmedien hinterher zu laufen. Meine Kunden erhalten nur noch ein Online-Medien-Clipping. Das Ziel aller Aktivitäten für meine Partner ist es, im Web Resonanz, Relevanz und Reputation aufzubauen.

Natürlich gibt es ein größeres Risiko, wenn Sie Kunden und Partner offen im Netz über Ihre Produkte und Leistungen diskutieren lassen. Natürlich ist es ein größeres Risiko, wenn Wettbewerber in einer Community Ihre Kunden und Partner treffen. Sie können allerdings ohnehin niemanden "wegschließen".

Zu Messen eigene Kunden nicht einzuladen, ist ein essenzieller Fehler - gerade der IT-Industrie. Ihre erfolgreichen Projekte nicht zu kommunizieren und referenzieren zu lassen, kostet Sie schon heute wertvolle Chancen in Ihrer Markt- und Kunden-Kommunikation. Hier verlieren Sie bereits jetzt entscheidende Relevanz.

Fangen Sie an, Kunden, Lieferanten, Experten und Mitarbeiter miteinander zu vernetzen. Teilen Sie mit Ihren bestehenden Bezugsgruppen Meinungen und Erfahrungen. Bieten Sie Ihren Partnern an, mit Ihnen den "Benefit" zu teilen. So werden Ihre Partner zu Botschaftern:

  • Initiieren Sie ein regelmäßiges Kundenforum, on- und offline
  • Initiieren Sie ein öffentliches Expertenforum, on- und offline
  • Beteiligen Sie Ihre Partner, ohne Verkaufsdruck auszuüben

Laden Sie Kunden und Partner zu einem regelmäßigen, regionalen Treffen ein. Eröffnen und begleiten Sie eine Online-Gruppe - z. B. im Business-Netzwerk XING. Trauen Sie sich, offen über Ihre Stärken und Potenziale zu diskutieren. Seien Sie mutig und öffnen Sie sich. Dann werden Sie künftig wahrgenommen.

Lernen Sie, in einer offenen, vernetzten Welt miteinander zu arbeiten. Experimentieren Sie mit Plattformen - online wie offline. Beteiligen Sie sich an bestehenden Netzwerken und werden Sie zum "Change Agent". Vergessen Sie "Entweder, oder"-Strickmuster. Der kontinuierliche Wandel ist die Normalität.

Vor fünf Jahren begann ich meine "IT-Karriere" im OpenOfffice.org-Projekt. In den vergangenen Jahren lernte ich das GNOME- und das Ubuntu-Projekt kennen. Meine persönlichen Interessen verlagerten sich, meine bisherigen Kontakten pflege ich noch heute - auch wenn sich meine Interessen fortentwickelt haben.

Im Web gelten drei einfach Regeln:

  1. Gleichheit
  2. Beteiligung
  3. Transparenz

Es geht darum, im Netz interessante Menschen kennenzulernen und aktiv zu beteiligen. Es geht darum, sich im Netz auszutauschen und zu verständigen. Es geht darum, im Netz Nutzen zu teilen und damit Sinn zu stiften. Bisherige Macht-Muster haben im Web keinen Platz und werden nicht akzeptiert.

Sehen Sie das Web als das, was es ist: Eine Plattform, die sich täglich ändert. Ein Raum, in dem sich unterschiedlichste Menschen treffen. Und eine Chance, dabei zu sein, anstatt nur E-Mails zu verschicken und eine statische Website mit Produkten zu präsentieren. Viele User im Netz können für Sie interessant sein.

Zum Nachlesen:

CUBEDAYS: Internet übernimmt Führung im Wettbewerb der Medien


PR-Professional: Der Trend geht in Richtung kostenfreie Rohinformationen

PRofessor: Here comes everybody – PR in der künftigen Web-Gesellschaft


Ich wünsche Ihnen für 2009 viel Freude und Erfolg im Web. Für Ihre Fragen stehe ich Ihnen gemeinsam mit meiner Partnerin Kerstin Hafemeister und dem offenen Wissen von spreefactory.de auch 2009 gern persönlich Rede und Antwort.

Wir sehen uns - im Web und vor Ort!

Herzliche Grüße

Ihr

Thomas Keup

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