Klartext 10.08: Everybody tells a story.
Liebe Leser:
Ab sofort werde ich Sie pro Klartext-Ausgabe nur noch mit einem Thema informieren. So kommen Sie schneller durch und haben evtl. auch mehr Lust, den Newsletter aktiv zu lesen. Also los:
Dass ich für mein Leben gern „Bullshit-Bingo“ spiele, muss ich Ihnen als Klartext-Leser nicht erzählen. Dass ich über hohle Floskeln von schwachen Vertrieblern herziehe, wissen Sie natürlich auch. Aber wie können Sie dem berüchtigten Einheitsbrei der IT-Anglizismen entgehen?
Erinnern Sie sich an Ihre Kindheit zurück? War das nicht ein tolles Gefühl, wenn Sie vor dem Einschlafen einen Gute-Nacht-Geschichte erzählt bekommen haben? Deutschlands größter Privatsender RTL Television arbeitet seit mehr als 10 Jahren nach dem Grundsatz „Menschen, Bilder, Emotionen“ - zwischen Komödie und Tragödie.
Das Prinzip des "Geschichten erzählen" ist auch den Experten vom Massachusetts Institut of Technology (MIT) nicht verborgen geblieben. Gemeinsam mit Journalisten untersuchten Sie Wege, um Lernprozesse in Unternehmen zu dokumentieren. Ihr Ergebnis: Mit Geschichten merken sich nicht nur Mitarbeiter Neues schneller, einfacher und länger.
Die amerikanischen Wissenschaftler nennen dieses Prinzip „Storytelling“. Mein damaliger Programmdirektor bei Radio HUNDERT,6 Berlin nannte es ganz einfach „Kino im Kopf“. Im Kern geht es um diese drei Leitgedanken:
- Menschen interessieren sich für Erlebnisse und Erfahrungen anderer Menschen.
- Menschen verarbeiten Informationen in aufeinander folgenden Bildern - der Story.
- Menschen fühlen sich angesprochen, wenn sich andere ihnen gegenüber öffnen.
Was haben Sie aber davon, wenn Sie Ihre Kommunikation mit dem Markt, Ihren Kunden und den Medien auf Geschichten aufbauen? Sie erreichen vier miteinander verbundene Ziele:
- Sie machen auf Ihre Leistungen aufmerksam
- Sie informieren einfach über Ihre Leistungen
- Sie lösen beim Empfänger gute Gefühle aus
- Sie verankern sich als interessanter Partner
Und jetzt kommt das berüchtigte, weiße Blatt Papier. Muss aber nicht sein! Denn der Anfang ist einfacher, als Sie denken. An dieser Stelle greife ich Ihnen ein wenig unter die Arme. Drei Dinge sollten Sie sich überlegen:
- Was wollen Sie der großen, weiten Welt erzählen?
- Wer soll die Geschichte in welcher Form erzählen?
- Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Geschichte?
Denken Sie an das Motiv, warum Ihnen der Kontakt zum Markt, zu Kunden oder Multiplikatoren wichtig ist - so kommen Sie schnell auf den Punkt. Bleiben Sie dabei offen, ehrlich und fair. Und setzen Sie an den Anfang ein (bekanntes) Bild.
Konzentrieren Sie sich auf einen inhaltlichen Schwerpunkt, nicht auf zwei oder drei Aspekte. Wählen Sie eines der folgenden fünf Elemente für Ihr Einstiegsbild und den roten Faden aus:
- E sind die wirtschaftlichen, finanziellen Aspekte
- T sind die technischen, fortschrittlichen Aspekte
- H sind die (zwischen-)menschen Aspekte
- O sind die organisatorischen, internen Aspekte und
- S sind die sozialen, gesellschaftlichen Aspekte
Ein Betriebswirt wird immer das "E" in den Mittelpunkt seiner Kommunikation stellen, ein Ingenieur wahrscheinlich das "T", ein Kommunikator spricht zumeist über das "H" und ein Qualitätsmanager über das "O" im Leben. Nur beim "S" sollten Sie aufpassen, nicht in eine ethisch-moralische Ecke zu geraten - wie es Lehrer und Politiker gern tun.
Die eigentliche Geschichte sollte alle wichtigen Fragen beantworten. Hier die W-Fragen, die Sie im Vorfeld als Stichpunkte erarbeiten sollten:
- Wer ist Ihr Hauptakteur?
- Was erlebt er in der Welt?
- Wann spielt Ihre Geschichte?
- Wo ist Ihr Hauptakteur unterwegs?
- Wie löst Ihr Hauptakteur sein Problem?
Mit den fünf Ebenen Person, Geschehen, Zeit, Raum und Kontext können Sie praktisch jedes Thema aufbereiten. Einen Schritt weiter beantworten Sie dann noch die beiden hintergründigen Fragen Warum? und Woher?
Vergessen Sie nicht: 1 Thema ist 1 Geschichte, 1 Gedanken ist 1 Absatz, 1 Satz transportiert eine Hauptaussage. Wenn Sie diese kleinen Grundregeln beherzigen, können auch Sie schon bald perfekt schreiben.
Für Rückfragen stehe ich Ihnen gern unter den bekannten Kontaktdaten Rede und Antwort. Mein Tipp: Trauen Sie sich, Geschichten zu erzählen. Sie werden stauen, wie schnell Ihre Gesprächspartner leuchtende Augen bekommen.
Bis zum nächsten Mal
Ihr
Thomas Keup
P. S. Die nächste Klartext-Aussage haben Sie Mitte November im Briefkasten – seien Sie gespannt.


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